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Ägyptisches PaarImpressionen aus Ägypten der Pharaonen
      
Die ägyptischen Mumien 
Ein Phänomen der Kulturgeschichte

 

Merenptah

"In unserer heutigen, hoch technisierten Welt, die das Sterben und den Tod zu verdrängen sucht, ist es ein eigenartiges Erlebnis, eine Mumie zu betrachten." 

 

Obwohl auch in anderen Kulturen der Mumienkult gepflegt wurde (z. B. in Peru), denken die meisten Menschen zuerst an die Mumien des Alten Ägypten. Dies ist kein Wunder, denn deren Technik der Einbalsamierung und Mumifizierung war im Laufe der Jahre zur Perfektion herangereift, so dass wir heute, 3000 Jahre später,  noch immer sehr gut erhaltene Mumien finden und bewundern können. Eine schöne Sammlung von Mumien gibt es im Ägyptischen Museum Kairo, wo unter anderem die bekannte Mumie Ramses II ausgestellt ist.

Der erhaltene Körper eines vor zwei oder drei Jahrtausenden verstorbenen Menschen weckt Empfindungen unterschiedlicher Art. Warum haben die Ägypter ihre Toten mumifiziert, und wie haben sie es gemacht? Eine Antwort zu geben, ist nicht leicht, denn trotz der seit 155 Jahren bestehenden Wissenschaft Ägyptologie und trotz moderner naturwissenschaftlicher Untersuchungsmethoden der Mumien tasten die Experten sich  nur langsam an die Menschen einer Kultur heran, die sich im 4. Jahrtausend v. Chr. im Niltal entwickelt hat und im 5. Jahrhundert n. Chr. erloschen ist.

Die Ägypter haben uns umfangreiches Text- und Bildmaterial zu ihren religiösen Vorstellungen an den Tempel- und Grabwänden sowie auf Papyrus hinterlassen. Dort erfahren wir, warum sie überhaupt den Wunsch hatten, den menschlichen Körper über den Tod hinaus zu erhalten. Nach ihrer Vorstellung gab es ein Weiterleben im Jenseits auf Ewigkeit, das aber nur möglich war, wenn der Körper unversehrt und funktionsfähig erhalten blieb.

Verstarb ein Mensch, verliess seine Seele als Ba-Vogel den Körper; zurück blieb nur eine seelenlose Hülle. Deshalb bestand keine religiöse Scheu, sie zu bearbeiten. Erst nach Fertigstellung der Mumie kehrte das Leben durch die Rituale der Wiederbelebung zurück. Alles, was dann geschah, war von großer Bedeutung für die Existenz in der jenseitigen Welt."

      Sethos I
     
mumifizierte Überreste Sethos I
 

1. Entstehung und Entwicklung der Mumifizierung


Das Mumienwesen hat sich aus dem altägyptischen Totenglauben heraus entwickelt, der besagt, dass der Körper eines Menschen auch nach dem Tod erhalten bleiben muss, damit die Ba- Seele seinen "Besitzer" wieder findet. Bis die Kunst der Mumifizierung jedoch die uns bekannte Perfektion erreicht hatte, war es ein langer Weg. Bis in die Anfangsphase des Alten Reiches wurden die Verstorbenen bestenfalls einbalsamiert, d. h. mit allerlei Essenzen, Kräutern, Salben und Ölen eingerieben. Anschliessend wurde der Leichnam in Binden gewickelt - in der Annahme, der Körper kann so die Zeit überdauern.

Erst in der 4. Dynastie entdeckten die Ägypter, dass der Körper dem Verfall länger entgeht, wenn man ihm die Eingeweide entnimmt. Hiermit war der erste Schritt zur wirklichen Mumifizierung getan. Zu Beginn des Mittleren Reiches  kam man auf die Idee, den Körper mit trockenem Natron zu behandeln. So wurde dem Gewebe des Körpers viel Wasser entzogen, allerdings nicht vollständig. Hierdurch wurde der Verfall des Leichnams jedoch bereits stark hinausgezögert. Ein weiterer Schritt der Mumifizierungstechnik war die Entnahme des Gehirns aus dem Schädel durch die Nase. Nach heutiger Kenntnis wurde dieses Verfahren zunächst bei Verstorbenen der höheren sozialen Schichten angewendet. Erst im Neuen Reich wurde es Standart, sowohl Eingeweide als auch das Gehirn zu entfernen.

Mumien aus dem Alten Reich sind uns kaum erhalten geblieben, da die Technik zum Erhalt des Körpers noch nicht gut genug ausgereift war. Obwohl die Leinenbinden, in die der Leichnam gewickelt wurde meist noch in relativ gutem Zustand waren, waren vom Körper nur noch das Skelett und Hautfetzen über, die jedoch sehr leicht zu Staub zerfielen. Die Mumien des Neuen Reiches dagegen sind teilweise in sehr gutem Zustand erhalten geblieben, so dass uns viele Rückschlüsse auf die Person möglich sind.

Das oben beschriebene Ritual der Einbalsamierung wurde von einem mit der Schakalmaske des Totengottes Anubis  bekleideten Priesters durchgeführt. Nach seinen Anweisungen wurden dem Verstorbenen die Organe entnommen, der Körper in Natronlauge entsalzen und nach 70 Tagen in Leinenbinden gewickelt. Dutzende von Amuletten und magischen Gegenständen wurden in die Leinenbinden gewickelt, damit der Verstorbene sicher ins Jenseits gelangte und dort sein neues Leben beginnen konnte.

Mumie eines Mannes namens Hor

Mumie eines Mannes namens Hor.
Auf der Mumie liegt ein Perlennetz, auf dem ein Herzskarabäus und
die 4 Horussöhnen gelegt wurden.

Die Mumie wurde nun in einen Sarg gelegt und an den Bestattungsort gebracht, wo das so genannte Mundöffnungsritual vollzogen wurde. Hierzu wurde der Sarg und der Verstorbene mit heiligen Instrumenten berührt, damit die Seele in den Leib zurückkehren konnte und den Toten im Jenseits neu beleben kann.

Während der 70 Tage dauernden Prozedur der Mumifizierung wurden für den Toten sämtliche Grabbeigaben in die letzte Ruhestätte gebracht, eventuell wurden schnell letzte Hieroglyphen in die Wände gemeisselt und die Wände verziert. Dass 70 Tage nicht viel Zeit sind, kann man deutlich in einigen Pharaonengräbern erkennen, wo der Pharao vorzeitig verstorben war und das Grab noch nicht fertig war. Eine Katastrophe!
 

2. Moderne Mumienforschung
A) Einführung
Obwohl viele Mumien, gerade die des Neuen Reiches, recht gut erhalten sind, geben diese uns bei ihrem Fund Rätsel auf. Wer ist der Verstorbene? Wann hat er gelebt? Nicht immer sind Amulette mit dem Namen des Verstorbenen mit der Mumie gefunden worden, die eine eindeutiges Identifizieren der Person möglich machen bzw. erleichtern. Woran ist die Person gestorben? Fragen, auf die Wissenschaftler eine Antwort suchen um noch mehr Licht in die altägyptische Geschichte zu bringen.

Die Anfänge der Mumienforschung vor vielen Jahren mussten den Mumien regelrecht zu Leibe rücken um an die gewünschten Informationen über den Verstorbenen zu kommen. Die Mumien mussten ausgewickelt werden und wurden sogar mit einem Skalpell aufgeschnitten. Doch mit diesem Methoden konnten nur relativ wenige Erkenntnisse über den Toten herausgefunden werden. Außerdem litt oft der Zustand der Mumien unter dieser Prozedur.

Die Entdeckung der Röntgenstrahlen war für die Ägyptologie ein entscheidender Durchbruch. Röntgen statt Aufschneiden war nun angesagt. Nun konnte man die Mumie im Originalzustand durchleuchten und anhand des Knochenbildes das Geschlecht der Mumie bestimmen. Auch Knochenabnutzungen und der Zustand der Gelenke und Zähne ließ sich so feststellen, ohne die Mumie von den Binden zu befreien. Heutzutage werden Mumien auch mit Hilfe der Computertomographie von Kopf bis Fuss millimetergenau untersucht. Die Daten der Computertomographie dienen heute auch dazu, das Gesicht des Verstorbenen zu rekonstruieren, indem man die Ergebnisse in einen Computer einspeist, der die Kopfform berechnet und ein dreidimensionales Bild erstellen kann.

Weiterhin werden Mumien auf die Blutgruppe untersucht. Dies geschieht mit Hilfe einiger Gewebeproben, die unter das Elektronenmikroskop gelegt werden. Anhand der roten Blutkörperchen kann nun die Blutgruppe bestimmt werden.

Das Alter zum Zeitpunkt des Todes lässt sich am genauesten mit der 14-C-Methode feststellen. Hierbei kann eine Genauigkeit von plus/minus 50 Jahren erreicht werden. Eine winzige Gewebeprobe wird der Mumie entnommen. Mit einem Massenspektrometer werden alle Atome, die zu einer Gewichtsklasse gehören, separiert; 14-C ist das schwerste und seltenste. Je weniger 14-C vorhanden sind, desto älter ist die Mumie. Dies hört sich relativ einfach an, die Apparatur hierfür ist jedoch recht kompliziert.

B) Ungereimtheiten
So schön es sich auch mit der modernen Mumienforschung anhört - viele Fragen bleiben leider offen. Nicht alle Königsmumien konnten bisher eindeutig identifiziert werden, da die Ergebnisse der modernen Forschungen oft mit den historischen Quellen nicht übereinstimmen. Einige Mumien wurden von Priestern schon zu altägyptischer Zeit umgebettet um vor Grabräubern besser geschützt zu sein. 

Dies hat uns zwar viele Mumien erhalten, jedoch kann man heute nicht davon ausgehen, dass die in einem Grab gefundene Mumie auch wirklich die des "Besitzers" des Grabes ist. Es bleibt auf jeden Fall spannend, was uns die moderne Mumienforschung noch bringt, denn durch sie können wir viele Rückschlüsse auf das damalige Leben der Menschen in Ägypten ziehen.

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