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Die
Hochkulturen in Anatolien
und der Türkei
Die Hethiter
Anatolien
war im Laufe der Geschichte der Entstehungsort für viele Zivilisationen. Obwohl
es nicht so fortgeschritten wie Ägypten oder Mesopotamien war, waren die Hatti,
die eine von Präfixen durchzogene Sprache verwendeten, nichtsdestotrotz eine der
fortgeschritteneren Gesellschaften ihres Zeitalters (3000 bis 2000 v. Chr.) Die
im Ankara-Museum für Anatolische Zivilisationen ausgestellten Exponate stellen
neben dem Urschatz des Britischen Museums die bedeutendste
Bronzezeit-Sammlung der Welt dar. Die Ankara-Sammlung, die auf die Periode
zwischen 2000 - 1900 v. Chr. datiert ist, kommt aus Tumuli in Alacahöyük,
Horoztepe und Mahmatlar und umfasst Artefakte in Gold /Silber, Bronze und
Keramik.
Ein Vorposten gegen die Invasion aus dem Balkan: Troja
Während
der Zeit der Hatti repräsentierten Troja I (3000-2500) und Troja II (2500-2200)
das Bronze-Zeitalter im Nordwesten Anatoliens, hier handelt es sich sozusagen um
Çanakkale. Beide fühlten sich dem Bereich der Ägäischen Kultur zugehörig, und
Troja II hatte ein besonders glänzendes Zeitalter. Die goldenen Schiffe, die von
Heinrich Schliemann ausgegraben wurden und im Berliner Völkerkunde-Museum
ausgestellt wurden, sind leider während des II. Weltkrieges verschwunden. Die
Reichtümer von Troja werden nun durch den Goldschmuck, der im Istanbuler Museum
für Archäologie ausgestellt ist, repräsentiert. Troja III-V (2200-1800 v Chr.)
ist eine Fortsetzung von Troja II.
Migration der indo europäischen Völker nach Anatolien
Die Fürstentümer
der Hatti-Hethiter
Die
indoeuropäischen Migrationen, die über ein weites Territorium stattfanden, das
sich von Westeuropa bis Indien ausdehnte, brachten einige Völker über den
Kaukasus nach Anatolien. Das Volk der Nesi ließ sich in Zentralanatolien nieder,
das Volk der Pala in Paphlygonien und die Luvier in Südanatolien. Im Laufe
dieser Migrationen eroberten die neu Angekommenen nach und nach das Fürstentum
der Hatti, um dann zuerst das alte Fürstentum der Hethiter (1660-1460 v Chr.)
und dann das Große Königreich der Hethiter (1460-1190 v Chr.) zu gründen.
Das
Reich der Hethiter (1660-1190 v Chr.)
Die Hethiter gründeten einen
föderativen Feudalstaat und während ihrer letzten beiden Jahrhunderte stellten
sie eine der beiden Supermächte des Zeitalters dar, die andere Supermacht war in
Ägypten.
Als ursprüngliche Indoeuropäer, erkannten die Hethiter die Gleichheit zwischen Männern und Frauen an und in der Tat umfasst ihr Gesetz sogar Rechte für Sklaven. Kein anderes Rechtssystem in der Welt war so fortgeschritten. Obwohl die Monarchie vom Vater auf den Sohn überging, war dies ein Königreich auf der Basis der Idee "primus inter pares", (Erster unter Ranggleichen), der Herrscher musste viele Angelegenheiten vor den Senat bringen, der aus Aristokraten, die als Pankus-Klasse bekannt waren, bestand.
Zu einer Zeit im Nahen Osten, als das Auspeitschen und Aufspiessen von Feinden an der Tagesordnung war, als Köpfe und Hände abgeschnitten und dann Pyramiden aus ihnen gemacht wurden, waren die Hethiter erstaunlicherweise human, fast wie Bewohner der heutigen zivilisierten Staaten.
Die Hethiter nahmen die Religion, Mythologie, Sprache und Sitten der Hatti an sowie auch ihre Namen für Plätze, Gebirge, Flüsse und Personen. Da die Mesopotamier Anatolien "Das Land der Hatti" nannten, wurde den Neuankömmlingen fälschlicherweise der Name "Hethiter" gegeben.
Die hethitische Architektur hat ihren ganz eigenen Charakter und wies die mächtigsten Stadtmauern des Nahen Ostens im zweiten Jahrtausend v. Chr. auf. Des Weiteren erbauten sie die grossartigsten Tempel und entwickelten eine gegenständliche Kunst, die in Anatolien weit verbreitet war.
Das Ilium von Homers Ilias
Troja VI (1800-1275
v. Chr.)
Als die Hethiter sich in
Zentralanatolien niederließen, erblühte ein anderes Volk in der Region von
Çanakkale bei Troja VI, welche heute eine der schönsten Ruinen in der Türkei
beherbergt, mit einer bis zu vier Metern Höhe erhaltenen Stadtmauer und einer
Zahl von gut erhaltenen Megaron-Häusern.
Das Ilium von König Priamos in Homers Erzählung entspricht der Schicht VIh (1325 - 1275 v. Chr.) und wurde bei einem Erdbeben zerstört, während die Stadt, die von den Achäern erobert wurde, Troja VIIe (1275 - 1240/1200 v. Chr.) war. Als Troja VIh bei einem Erdbeben im Jahre 1275 v. Chr. zerstört wurde, gefolgt von einer Plünderung von Troja VIIa im Jahre 1240/1200, wurde ein standhafter Vorposten gegen Einfälle aus dem Nordwesten, der 2000 Jahre dort gestanden hatte, beseitigt. In der Tat ist die handgearbeitete Töpferware, die - wie die Buckelkeramik-Töpfe (VIIb2 (1190 - 110) - in Troja VIIb2 (1240 - 1190 v. Chr.) entdeckt wurde, balkanischen Ursprungs. Nachdem Troja im Jahre 1200 erobert wurde, haben die Balkanvölker weiterhin in verschiedenen Wellen Anatolien besetzt; um 1190 zerstörten sie die hethitische Hauptstadt Hattusas und drangen südlich bis zur assyrischen Grenze vor.
Zivilisationen, die die Hellenen beeinflussten
Das
Urartu-Königreich (860-580 v. Chr.) und die Phrygier (750-300 v. Chr.)
In den Regionen Südost- und
Ostanatoliens, die nicht sehr von den Migrationen der Balkan-Völker betroffen zu
sein schienen, haben das späte Hethitische Fürstentum (1200 - 700 v. Chr.) sowie
das Urartu-Königreich (860-580 v. Chr.) ein hohes Kulturniveau hervorgebracht.
Im
8. Jahrhundert v. Chr. kamen die Hellenen mit dem reichen zweitausend Jahre
alten Erbe von Mesopotamien auf Vermittlung des in Südostanatolien gelegenen,
späten hethitischen Fürstentums in Kontakt. Die Hellenen eigneten sich das
phönizische Alphabet von Al Mina, die Mythologie und gegenständliche Kunst, die
wir bei Homer und Hesiod sehen, an, und zwar von solch alten späten hethitischen
Städten wie Kargamish und Malatya. Der Helm eines Hellenen im 8. Jahrhundert
zusammen mit seinem Schild, verschiedenen Gürteln und Haartrachten, waren wie
diejenigen der Hethiter. Die hellenische gegenständliche und dekorative Kunst
des 8. und 7. Jahrhunderts folgte dem Stil der Hethiter und deren Ikonographie.
Obwohl die Urartus in ihrer Kunst stark vom Beispiel der Assyrer und späten Hethiter beeinflusst waren, produzierten sie hervorragende Artefakte, die sie nach Hellas und in etruskische Städte exportierten.
Die Phrygier befanden sich unter den Balkan-Völkern, die ca. um 1200 v. Chr. nach Anatolien kamen, aber sie erschienen erstmals auf der politischen Szene nach dem Jahr 750 v. Chr. Die hellenische Welt kannte den phrygischen König Midas als legendäre Figur mit langen Ohren, die alles, was er berührte, zu Gold machten. Die Assyrer, andererseits, erwähnen ihn als König in den Jahren 717, 715, 712 und 709 v. Chr. Obwohl das mächtige Königreich, das Midas gründete, von den Cymmerern im ersten Viertel des 7. Jahrhunderts hinweggefegt wurde, konnten verstreute Gruppen der Phrygier ihre Zivilisation in Zentralanatolien durch das 6. Jahrhundert v. Chr. hindurch weiterentwickeln. Schätze in der Nähe von Eskisehir und Afyon sind relativ gut erhalten und stellen einige der besten Arbeiten ihres Jahrhunderts dar.
Drei faszinierende anatolische Völker
Die Lydier, Karier
und Lykier
Die
Lydier und Lykier haben Sprachen gesprochen, die grundsätzlich zu den
indoeuropäischen Sprachen gehören, aber beide Sprachen hatten sich vor der
hethitischen und hellenischen Periode nicht-indoeuropäische Elemente angeeignet.
Beide Alphabete ähnelten stark dem der Hellenen. Während der Regierung des
Creosus, der für seinen Wohlstand (575 - 545 v. Chr.) bekannt war, war die
lydische Hauptstadt der Sarden eine der glanzvollsten Städte der Alten Welt.
Obwohl das karische Alphabet dem der Lykier ähnelte, konnte das Entstehungsdatum der karischen Sprache nicht entziffert werden. Herodotos sagte, dass gemäß einer kretischen Legende die Karier Lelegen genannt wurden und während der Zeit des Minoa-Königreiches, das zeitlich in der Mitte des 2. Jahrtausends v. Chr. liegt, auf einer Insel lebten. Die Karier selbst behaupteten jedenfalls gebürtige Anatolier zu sein, die mit den Lydiern und Mysiern verwandt sind.
Die archäologischen Funde, die
sich durch alle drei Kulturen ziehen, zeigen einen starken hellenischen
Einfluss. Von den dreien haben die Lykier am besten ihren eigenen Charakter
bewahrt. Ihre Monumente, die aus Felsen herausgeschlagen wurden, gehören zu den
interessantesten Kunstwerken im alten Anatolien.
Ausgrabungen in Izmir zufolge kann man die Städtegründungen der Ionen auf ca. 1050 v. Chr. datieren. Die primitiven Ionen, die 300 Jahren nur Landwirtschaft betrieben, entwickelten sich erst 800 v.Chr. unter dem Einfluss von Ägyptern, Phöniziern, Assyrern und Hethitern zu einer modernen Gesellschaft und erlebten ihre Blütezeit in den Jahren 650 - 545 v. Chr.
Die freie Geisteshaltung und der wissenschaftliche Tatendrang, erhoben neugegründete ionische Städte schnell in den Stand von Kulturzentren. .Besonders die in Miletos geborenen Philosophen taten sich mit Erforschungen von Religion und Aberglauben hervor. Der Naturphilosoph Thales, dessen Vater Helen und der karische Hexamyes waren, sowie die Philosophen Anaximondros und Anaximenes, waren Wegbereiter einer neuen Denkrichtung. Die wissenschaftlichen Erkenntnisse der Ägypter und Mesopotamier zugrunde legend, legten die drei ionischen Philosophen die Grundsteine zu Wissenschaften wie Mathematik, Philosophie, Geometrie und Astronomie. Thales, der sich lange Zeit in Ägypten und Mesopotamien aufgehalten hatte, war es das erste Mal in der Zeitgeschichte gelungen, ein Naturereignis aufgrund von Berechnungen vorher anzukündigen. Er hatte die Sonnenfinsternis am 28. Mai 585 v. Chr. vorausgesagt. Damit hatte er den ersten Schritt in Richtung einer modernen wissenschaftlichen Forschung, die Erkenntnisse dazu verwendet, Schlüsse zu ziehen und darauf aufzubauen, getan. Die spätere islamische Welt entwickelte sich im 9. und 12. Jahrhundert nach der ersten Renaissance durch die Araber, Perser und Türken zu einer forschungsfreudigen Gesellschaft. Europa hatte seine Renaissance im 19. Und 20. Jahrhundert und erlebte in diesen beiden Jahrhunderten förmlich eine Explosion an wissenschaftlichen Errungenschaften, bis dass es den Menschen im 20. Jahrhundert sogar gelang, auf den Mond zu fliegen.
Im
Altertum waren Ionen auf dem Gebiet Verseschmieden und der bildenden Künste die
besten auf ihrer Zeit. Der 55 x 110 Meter grosse, komplett aus Marmor bestehende
Artemis-Tempel in Ephesus, eines der damaligen Sieben Weltwunder, war zum
Beispiel so ein perfektes Bauwerk, dass dessen Stil, Architektur und Bautechnik,
zunächst von den Athenern und später von den Europäern, übernommen wurde. Noch
immer erfreut sich diese Art von klassischer Bauweise großer Beliebtheit und
Elemente dieses Baustils finden sich sogar in der neuen Welt, in Amerika wieder.
Folgende Städte, die im ionischen Baustil errichtet wurden, bewahrten ihre Schönheit und Stabilität bis auf den heutigen Tag: Pergamon, Sardis, Ephesus, Priene, Miletos, Didyma, Aphrodisias und Aizanoi. Obwohl diese Bauwerke später von den Griechen noch weit in den Schatten gestellt werden sollen, konnte doch auf einem Gebiet niemand den Ionen den Rang ablaufen, auf dem Gebiet ihres feinsinnigen Humors und ihrer Schlagfertigkeit.
Ab Mitte des 6. Jahrhunderts v. Chr. bis 33 v. Chr. stand Anatolien unter der Herrschaft der persischen Kultur. Sogar die Vormachtstellung der Ionen in der damaligen Welt, fand mit der Machtübernahme der Perser ein Ende.

Das Mausoleum in Bodrum
Einige persische Satrapen (Schutzbastionen) hatten sich zu Ausmassen von Königreichen entwickelt und hatten u.a. in Lykien und Propontis gigantische Bauwerke errichten lassen, wie zum Beispiel das Denkmal Nereiden in Xanthos und das Mausoleum in Bodrum, deren Überreste sich zu einem grossen Teil im Britischen Museum befinden.

Nachdem Alexander der Grosse, Anatolien von den Persern befreit hatte, erhielten viele hellenistische Städte wieder ihre Unabhängigkeit, und die anatolische Halbinsel nahm in der Weltkunstgeschichte wieder einen Platz in den ersten Reihen ein. Die antiken Städte Assos, Pergamon, Magnesia, Ephesus, Tralleis (Aydin) Miletos und Didyma, traten wieder in den Vordergrund der Geschichte und waren mit ihren prächtigen Bauten ein Wegweiser für die spätere römische Baukultur.
Die Römer legten in ihrer Baukultur eine große technische Fertigkeit und immenses Ingenieurwissen an den Tag. Steine und Ziegelsteine wurden miteinander verbunden und mit dieser Technik war es möglich, weit ausladenende Bögen und Kuppeln zu bauen. Ihr erstes Werk war, Rom zu einem einzigen Kunstwerk umzugestalten. Als dies geschehen war, dehnte sich die Bauwut der Römer nach Anatolien aus. In West- und Südanatolien, sowie in der Mitte des Landes entstanden Städte über Städte. Jede dieser Städte hatte eine Agora (Markthallen), ein Stadthaus, ein Gymnasium, Stadium, Theater, Bäder, Brunnen und eine Vielzahl an Marmorstatuen und Denkmälern.

Das römische Theater
in Xanthus
Die Straßen bestanden zum grössten Teil aus Marmor und wurden rechts und links von, auf Säulen getragenen, Gewölben flankiert. Somit waren die flanierenden Städter im Sommer vor Hitze und im Winter vor Regen und Schlamm geschützt. Die vielen neu gebauten, römischen Strassen in Anatolien wurden durch solide Brücken miteinander verbunden. Das erste Mal in der Weltgeschichte hören wir von Kilometersteinen. Besonders im 2. Jahrhundert n. Chr. war Anatolien zu einem der Dichtbebautesten Länder geworden, und die Pracht und der Reichtum der Städte, konnten sich durchaus mit denen der Hauptstadt Rom messen. Noch heute sind viele der ehemaligen Städte zu besichtigen und selbst die Ruinen vermitteln dem staunenden Touristen noch einen recht guten Eindruck der damaligen Pracht.
Die byzantinische Kunst entstand nach der römischen Herrschaft in Anatolien. Die perfekten römischen Bauwerke gewannen mit den Kunstwerken der frühchristlichen Byzantiner eine besondere Attraktivität. Man kann sagen, dass die byzantinische Kunst eine Expression der römischen Kunst war. In der Weltkunstgeschichte läuteten die Frühchristen, besonders in der Architektur und Ausschmückung der Bauwerke ,eine neue Ära ein.
Der neue Stil, der in den Städten Saudis, Ephesus, Aphrodisias, Hierapolis, Side, Perge und Antakya rasch das Gesicht der Städte veränderte, fand seinen stärksten Ausdruck in der vom damaligen Imparatoren Konstantin eingenommenen und nach ihm benannten Stadt Konstantinopulus, dem heutigen Istanbul.

Konstantinopulus war in den Jahren 330 - 565 n. Chr. eines der wichtigsten
Kunst- und Kulturzentren geworden. Die frühchristliche Zivilisation hatte ihre
Blütezeit unter dem Herrscher Justinian 527 - 565 n.Chr. Die mit einer
Zentralkuppel überdachten Basilika Hagia Sophia, die 532 - 539 n.Chr. erbaut
wurde, ist eines der prächtigsten Beispiele byzantinischer Kunst.
Die Hagia Irina Kirche (6. -.8. Jh.n.Chr.), die aus der Justinian Ära stammende St. Johannes Basilika in Ephesus und Marienkirche,(4. - 6. Jh.n.Chr.), die Alahan Kirche in Südanatolien (5. -. 6. Jh.n.Chr.) sind einige der wichtigsten und besterhaltenen Bauwerke aus dieser Zeit. Die St. Mari Pammakaristos (1310 n. Chr.), die sich in Istanbul direkt neben der Fethiye Moschee befindet, und die Chora Kirche neben der Kariye Moschee. sind spaete Bauten des Byzantinischen Reiches und ebenfalls noch sehr gut erhalten und gepflegt . Besonders harmonisch bei den christlich-byzantinischen Bauwerken sind die Dächer, die aus mehreren Kuppeln bestehen und die mit jeweils 3 Bögen verbundenen Mauern.
Vom Tekfur- und Laskaris Palast in Istanbul sind leider nur noch die Ruinen zu sehen, allerdings lässt eine gut erhaltene Wand mit farbigen Ziegelintarsien auf die ehemaliger Schönheit schließen.
Beispiele phantastischer Mosaikkunst sehen wir in der Hagia Sophia, und der Fethiye- und Chora Kirche . Wie hoch entwickelt auch die Goldschmiedekunst und das Kunsthandwerk mit Edelmetallen war, beweisen uns Funde aus Finike.
Die Seldschuken waren die erste türkische Zivilisation, die sich im gesamten Anatolien niederliess. Hatten frühere Eroberer immer nur einen Teil des Gebietes besetzt, waren es zuerst die Perser und später die Römer, die den Raum komplett besetzten und ihrem Reich angliederten. Allerdings bewohnten sie wiederum nur einen Teil des Landes, der Rest wurde nur von ihnen verwaltet.

Durch ihre Toleranz gegenüber den grösstenteils indoeuropäisch - stämmigen Bewohnern der besetzten Gebiete, gewannen die, im Zuge der Völkerwanderung ins Land strömenden Türken, rasch die Sympathie der Menschen. Wer zum islamischen Glauben übertrat, bekam die türkische Staatsangehörigkeit und so vermischten sich die Einheimischen langsam mit den türkischen Besetzern. Kulturschätze in Anatolien haben die Türken nie als ihr persönliches Eigentum, sondern immer als Kulturerbe der gesamten Menschheit betrachtet.

Die Seldschuken entwickelten in den Jahren 900 - 1200 n.Chr. im Rahmen der
ersten Renaissance -Bewegung eine äusserst tolerante Geisteshaltung. Der ,zu
dieser Zeit in Konya lebende, Mönch und Philosoph Mevlana Celaleddin Rumi, ist
einer der Vertreter dieser humanistischen Richtung, deren moderne Aussage auch
in unserer heutigen Zeit noch Anklang finden. In fast jeder seldschukische Stadt
befand sich ein Krankenhaus, und in den Observatorien wurden
Astronomieforschungen betrieben.
Wie zu römischen Zeiten, hatten auch die Seldschuken die verschiedenen Gebiete und Provinzen mit guten Strassen verbunden und zahlreiche Brücken gebaut. Durchziehende Karawanen konnten in gut ausgestatteten Karawansereien und Herbergen (Han) übernachten.
Obwohl die Seldschuken von der arabischen und persischen Kultur beeinflusst waren, fanden sie doch ihren eigenen ganz persönlichen Weg. In der Kunst sind Spuren der alten Heimat der Seldschuken, Mittelasien, nicht zu verkennen. Die Mausoleen z. B., sind nichts anderes, als eine steinerne Denkmalausführung der traditionellen türkischen Zelte. Keramikarbeiten , Holzbearbeitung und die Kunst der gemalten Miniaturen ist von der mittelasiatischen Kunst geprägt. Manche Techniken in der Steinbearbeitung gehen bis auf die mittelasiatischen Iskiter zurück.
Wie schon bei dem Bau von Karawansereien, hatten die Seldschuken auch bei dem Bau von Moscheen und Theologiezentren (Medresen) auf eine dem Land und dem Klima angepasste Architektur geachtet. Die Verzierungen der monumentalen Eingangstüren neben, vom persischen Stil geprägten Bogengängen , sind das schönste Beispiel architektonischer Perfektion in dieser Zeit.
Nicht nur die hohen verzierten
Türen, sondern auch die gesamte seldschukische Bauweise, finden wir ansatzweise
in den gotischen, aus Ziegelsteinen erbauten Kathedralen und Bauwerken in
Nordeuropa. Möglich ist, dass die die Idee zu diesem Stil die Kreuzritter von
ihren Kreuzzügen mitgebracht hatten. Wem dieser Stil gefällt, der hat in der
Türkei Gelegenheit
jede Menge Bauwerke dazu zu bewundern, vor allem in den Städten Konya, Kayseri,
Nigde, Sivas, Divrigi, Amasya, Urfa und Malatya
.
Anatolien war den Osmanen, die 600 Jahre wegweisend in der islamischen Welt waren, ein ständiger Kraftquell. Die Osmanen hatten die Kunst und Kultur der Seldschuken noch bereichern können und ihr zu neuen Dimensionen verholfen. Sie selbst nahmen Elementen der Byzantinischen Architektur in ihre eigenen Baukunst auf, brachten sie jedoch zur Vollendung und kreierten damit den berühmten osmanischen Baustil.

In der türkischen Baukunst waren die Seldschuken die ersten, die die verwirrende Anordnung der Innenräume änderte, und auch dementsprechende technische Probleme lösten. Wenn man die Selçuk Medrese in Konya, die Karatay- Sehzade- und Selimiye - Moschee betrachtet, erkennt man, dass man sich in der Baukunst Schritt für Schritt einem Stil angenähert hat, der die Bauwerke unter einem großen Kuppeldach barg.
Die Yesil Moschee in Bursa(1424) ist unter zwei Kuppeldächern untergebracht.
Leider werden beide Kuppeln von einer starken Mittelwand gestützt, sodass die
das wunderschöne Innere der Moschee in zwei Räume aufgeteilt wird. Dieses
technische Problem zu lösen, gelang schließlich bei den Moscheen Rumi Mehmet
Pasa (1471) und Atik Ali Pasa in der Nähe von Çemberlitas. Hier hatte man die
südliche Kuppel in eine halbe Kuppel umgewandelt, benötigte nun keine Stüzwand
mehr und hatte einen wunderbar freien, ungeteilten Innenraum. Man hatte zwar
grössenmässig an Innenraum verloren, hatte jedoch eine harmonische Gesamtheit
geschaffen.
Als der berühmte Architekt Mimar
Sinan seine Laufbahn begann, befand sich die Architektur auf diesem Stand. Sinan
brachte sie zur Perfektion, indem er , nicht wie bei der Bayezit Moschee eine
nördliche und eine südliche halbe Kuppel verwandte, sondern vier halbe Kuppeln
bauen ließ, in jeder Himmelsrichtung eine. So hatte er eine Moschee mit zwei
ganzen Kuppeln gebaut, und trotzdem den dementsprechenden Innenraum ohne
hässliche Trennung durch eine Wand gewonnen. (Siehe Sehzade Moschee 1548).
Nach Mimar Sinan wirkende Architekten haben nicht viel neues mehr hinzufügen
können. Wenn wir uns die 1616 erbaute Sultan Ahmet Moschee, die 1663 erbaute
Yeni Moschee und die Fatih Moschee von 1771 anschauen, müssen wir zugeben, dass
sie vom Plan und Typ her nur eine Kopie der Sehzade Moschee sind. Auf diese
Weise ist das Lehrlingswerk von Sinan eines der klassischen Beispiele für
osmanische Architektur geworden. Natürlich muss man auch noch hinzufügen, dass
die Sülimaniye und Selimiye Moschee von so einer monumentalen Grösse und
Einmaligkeit sind, dass sich auch kaum ein Architekt an einen Nachbau gewagt
hätte. Da war das Vorbild der der Sehzade-Moschee schon passender, und erfüllte
auch durchaus seinen Zweck.
Sinan hat auf dem Gebiet der zentralen Bauweise mit der Selimiye-Moschee einen Meilenstein in der Architektur gesetzt. Indem Sinan die Anzahl der stützenden Säulen von 4 auf 8 hinaufgesetzt hatte, war es ihm gelungen, ein Bauwerk zu schaffen, dass von allen Seiten die gleiche Ansicht bot. Die gleiche Bautechnik war von ihm schon bei der Sehzade und Süleymaniye - Moschee verlangt worden, bei deren Bau es ihm allerdings nicht gelungen war. Vier Minarette unterstützen die Harmonie der einzelnen Gebäudeteile. Die kleinen Kuppeln, die auf den Stützsäulen sitzen, und die sich nach oben verjüngende Silouhette des stufenförmig angelegten Gebäudes vermitteln den Eindruck einer gen Himmel weisenden Architekturkunst
Die osmanischen Architekten der vielen Mausoleen, Medresen, Bibliotheken, Villen, Palästen, Bäder, Geschäftshäuser, Brücken und Wasserleitungen, waren nicht nur grossartige Künstler, sondern auch hervorragende Ingenieure.
Die osmanischen Miniaturen nehmen auf ihrem Gebiet eine Sonderstellung durch die Wahl ihrer Themen ein. Meistens haben wir es mit Darstellungen aus der Geschichte oder dem täglichen Leben zu tun.

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